Miteinander Leben und Lernen

Lernen

 

Der Begriff "Lernen" wird häufig verwendet, als müsste man sich bewusst dafür entscheiden, es zu tun. Sehr häufig wird er im Zusammenhang mit Schule und Bildung gebraucht. 

Dabei ist Lernen das Alltäglichste der Welt und so tief in der Evolution verwurzelt, dass wir gar nicht sagen können, wann es angefangen hat. 

Lernpsychologisch ist es einerlei, ob ein Kind Lesen und Schreiben lernt, zu bestimmten Zeiten einzuschlafen oder sich regelmäßig die Zähne zu putzen.

Es gibt keine Unterscheidung zwischen allgemeinem Lernen und schulischem Lernen.

Und hier wie dort kann es Probleme bereiten, kann es Eltern und Kinder zur Verzweiflung treiben.

 

Die meisten Pädagogen sagen uns über die kindliche Entwicklung, dass "alle Kinder lernen wollen!". Das ist sicher richtig. Ich würde sogar sagen, sie können gar nicht anders.

Verstanden wird allerdings häufig: Kinder hätten ein natürliches Bedürfnis Dinge zu lernen, die wir -die Erwachsenen- als positiv betrachten.

Es wäre ausreichend die entsprechenden Türen zu öffnen, hindurchgehen würden sie aus eigenem Antrieb.

 

Und hier beginnt ein große Missverständnis.

 

Kinder sind keine unbeschriebenen weißen Blätter wenn sie auf die Welt kommen. Sie bringen individuelle Stärken und Schwächen mit. Sie haben vielleicht ein aufbrausendes Temperament, suchen ständig den nächsten "Kick", träumen oder sind unkonzentriert...

All das sind Risikofaktoren für das Lernen von Verhaltensweisen, die wir nicht gerne sehen wollen: Unlust, Desinteresse, nicht lernen wollen..., nicht folgen..., sich nicht regelmäßig die Zähne putzen..., usw... 

Denn unser Gehirn ist ein sich selbst organisierendes System. Ist das Oberziel "Vermeidung von Anstrengung", werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Verhaltensweisen ausbilden, die genau diese Vermeinung ermöglichen.

 

Das wirklich Schöne aber ist:

Abgesehen von bestimmten biologischen Gesetzmäßigkeiten ist unser Denken und Handeln veränderbar, weil unser Gehirn plastisch ist und bleibt: 

Lernen können wir lebenslang.

Alles, was wir an Hinderlichem gelernt haben, können wir auch wieder verlernen.

Auch Kinder, die ungünstige Voraussetzungen mitgebracht haben, können lernen vieles davon zu kompensieren.

 

An dieser Stelle noch ein klares Plädoyer für alle liebevollen Eltern: Gerne wird Ihnen bei unerwünschten Verhaltensweisen ihrer Kinder Schuld zugewiesen. Zu Unrecht.

Eltern haben feine Antennen dafür, was Ihr Kind leisten kann und was nicht. Sie mühen sich, strengen sich an, versuchen Ihrem Kind Brücken zu bauen, ihm über Hürden hinweg zu helfen. Sie leisten enorm viel und sind verzweifelt, wenn es nichts zu nützen scheint. Sie verdienen Anerkennung, denn Sie sind eben alles, nur keine Superhelden.

Zum Glück müssen Sie das auch nicht sein. Lassen Sie sich zeigen wie Sie als das erfolgreich sein können, was Sie sind: nämlich tolle Eltern...

 

Impressum 

Helga Thiel, Heilpraktikerin (Psychotherapie). Verhaltens- und Lerntherapie, Beziehungsarbeit    kontakt(at)miteinander-leben-und-lernen.de, 09628-9293241